Nielsen: Brauchen wir noch Sitemaps

Das Lustige an den Nielsen Studien ist zum einen, dass sie fast keiner mehr zur Kenntnis nimmt oder kommentiert im deutschsprachigen Raum, und zum anderen die eigentlich interessanten Details richtig teuer sind. Aber mitunter sind die Ergebnisse in seiner Alertbox auch schon interessant genug, um sich damit näher zu beschäftigen. Was hat es nun auf sich mit der Site Map Usability?

Man möge mir niemals mehr kleine Stichproben vorwerfen, wenn man sich die für die Wiederholungsstudie – die letzte war vor 7 Jahren – zur Sitemap genauer ansieht: 30 Nutzer testen 20 Webseiten. ;)

Im Grunde nichts neues unter der Sonne: Die Sitemap teilt das gleiche Los wie der Breadcrumb als zweitrangige Navigation. Durch die Präsenz des Breadcrumbs auf fast jeder Webseite, ist er dann aber eher kein Unbekannter, wobei die Sitemap dann doch eher ein stiefmütterliches Dasein führt. Ein Ergebnis der Studie ist daher auch, dass kaum jemand eine Sitemap von sich aus nutzt, wer sie aber nutzt, der findet sie auch. :)

Diejenigen, die sie nutzen, erwarten keine komplexen Konstrukte, sondern einen einfachen, kompakten Überblick über die Inhalte. Interessant ist wohl die Tendenz, dass Nutzer auch eine mehrspaltige Sitemap tendenziell bevorzugen, weil sie dann weniger scrollen müssen.

Der für mich interessanteste Aspekt ist, dass sich Sitemaps durchgesetzt haben, weil sie so billig zu realisieren sind. Dem muss ich aus der Praxis eindeutig widersprechen. Gerade weil sich wenige Kunden mit einer Sitemap identifizieren, wollen sie nicht wirklich dafür etwas ausgeben. Auch wenn ich opponiere und sage, eine Sitemap wird aus dem Backend automatisch erzeugt und ist quasi schon fertig bis auf wenige Layoutanpassungen, sind Kunden davon nicht zu überzeugen. Der Breadcrumb hat sich viel deutlicher, weil praxisnaher und integrierter, durchgesetzt.

Ich werde diesmal aber doch erwägen, die gesamte Studie zu erwerben, auch wenn es wieder ein Budgetloch reissen wird. :) Vor allem die besprochenen Praxisbeispiele finde ich sehr interessant, weil ganz ganz heimlich bin ich ein unheimlicher Fan von Sitemaps, aber es will nur keiner von mir welche haben. ;)

7 Antworten auf „Nielsen: Brauchen wir noch Sitemaps“

  1. Ich bin auch ein Fan von Sitemaps und gehöre zu den 7%, die manchmal froh sind, auf diese Weise doch noch herausfinden zu können, ob die gesuchte Info sich irgendwo auf der entsprechenden Site versteckt (oder auch nicht).
    Froh bin ich auch darüber, dass Sitemaps nicht nur was für Usability-Freaks sind sondern sich auch günstig auf das Ranking bei Suchmaschinen auswirken sollen.

  2. Ich habe da vor kurzem einen guten Artikel zu gelesen:
    Die Sitemap: eine informationsarchitektonische Drückebergerei

    Irgendwie stimmts: Die Sitemap ist immer so der letzte Rettungsanker, vielleicht doch noch die erhoffte Info zu finden.

    Ergo, aus Sicht des Betreibers bei statistisch oftmaliger Verwendung durch Benutzer, eigentlich ein Warnzeichen für Mängel in der Informationsarchitektur.

  3. Ja, klar – eine Sitemap sollte nicht ein Rettungsanker sein. :) Und wenn die Navigations- und Architektionsstruktur derart hinfällig ist auf einer Seite, sollte man sich nicht auf eine Sitemap verlassen.

    Ich weiss auch nicht, warum ich Sitemaps mag. Werde das vertiefen müssen.

  4. @Marc,
    ja – das ist durchaus möglich. Ich würde auch vermuten, dass die Suchbox weitaus mehr genutzt wird (gibt es auch irgendwo Studien zu).

    Naja, anachronistisch ist immer schwierig zu sagen. Suchmaschinen nutzen ja auch für Sitemap verwendbare XML-Standards.

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