Webkongress Erlangen: persönliches Fazit – erster Tag

Zwei Tage Webkongress Erlangen 2008 mit dem Thema “Web 2.0 – Die Zukunft der Webtechnologien“, was kann ich mitnehmen und was könnte man das nächste Mal verbessern.

Eindeutig loben muss man die Organisation des Kongresses, so viele lächelnde und engagiert-interessierte Menschen an einem Ort sind selten zu finden. :) Der Ablauf schien wie von selbst organisiert und strukturiert, einzig hätte man sich etwas längere Pausen gewünscht. 15 Minuten waren mitunter arg knapp, um vom einen ins andere Thema zu kommen. Selten konnte man sich darüber oder über anderes noch austauschen, schon saß man wieder im Hörsaal. Besonders interessant an Erlangen der fränkische Dialekt, die Frauen hinter dem Mittagsbuffet sprachen über uns Besucher immer mal gerne über jene, die was mit “Kombjuta” machen. :)

Zwei Tage – viele Vorträge, die auch noch parallel angeboten wurden. Nur zu einigen kann und möchte ich kurz etwas anmerken. Am zweiten Tag waren sehr viele eher allgemein gehaltenere Vorträge, man hätte sich die eher am ersten Tag gewünscht. Vor allem sollte der Vortrag über Webstandards dann doch eher den Kongress anführen als in abschließen. Diesmal habe ich entgegen meiner sonstigen Präferenzen fast keine barrierefreien Vorträge besucht, irgendwie war mich nicht danach. Ich wollte mich auch mal ein wenig, bei anderen Themen umsehen. Nun einige Anmerkungen zu Vorträgen:

Nicolai Schwarz: Wenn der Hund beim Jonglieren scheitert, sollte er vielleicht das Kleid ausziehen

Schon allein des Titels wegen – er gab ja auch selbst zu, dass der mit Absicht so gesetzt war – musste man diesen Vortrag besuchen. Ja – das Schreiben im Web steckt immer noch in den Kinderschuhen, das konnte man an den Beispielen schön verfolgen. Die Strategie der umgekehrten Pyramide – man bringt zuerst das Fazit und geht dann in die Details -, wäre eine Diskussion wert gewesen. Liest man dann noch weiter? Schön wäre es noch gewesen, wenn der eingangs eingeführte Begriff der Content Usability noch vertieft worden wäre, denn hier wird es spannend. :)

Philipp Söhnlein: Breaking the Viewport: Anwendungsentwicklung für Webdeveloper mit XUL

Da der Vortrag zu Barrierefreiheit und jQuery ausfiel, machte ich mich zu XUL, einer XML basierten Sprache für grafische Benutzeroberflächen, auf. Wider Erwarten fand ich das alles spannend. :) Zum einen mag ich die Klar- und Striktheit von XML sehr und die Lösungen eines Sliders oder Schiebereglers, die so einfach und knapp in der Sprache vorliegen. Mir als nicht sonderlicher Javascript-Geek liegt so was natürlich immens. :) Spannender Vortrag, ich werde mich mit XUL beschäftigen.

Ich war ganz überrascht, dass ich bereits täglich eine XUL-Umgebung einsetze als Editor: Komodo Edit. Interessant auch der barrierefreie Aspekt hierbei: Die Screenreader JAWS und Windows Eyes kommen soweit ganz gut mit XUL-Anwendungen zurecht, Voice Over von Mac gar nicht. XUL selbst bietet ein Accessibility-Tool an, mit dem man XUL-Dateien auf Barrierefreiheit checken kann. Entwickelt wurde es von WebAIM und als Erweiterung für Firefox.

Dirk Jesse: CSS Frameworks – Erwartungen, Mythen und reale Vorteile (Folien bei Slideshare)

Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Thema immer ansetzen wollte, es aber bis dato immer verschoben habe. Nach diesem Vortrag werde ich mich da aber vertiefen. Was der Vortrag vor allem geliefert hat, war Begriffsbildung und Einordnung. Ich habe so in etwa verstanden, was der Unterschied zwischen einem Grid- (Blueprint) und einem CSS-Framework (YAML) ist und das ist schon mal ein guter Einstieg. :) Wahrscheinlich bin ich nur auf den Begriff Bug-Prävention angesprungen, nichts anderes habe ich über die Jahre versucht, meinem Team zu vermitteln.

Jedenfalls dürfen sich die Leser hier freuen, Grid- und CSS-Frameworks werden demnächst hier vertieft werden.

Christian Clawien: Micro-Blogging, Lifestreaming & Co. – Gebündeltes Online-Leben

Grundsätzlich ein interessanter Vortrag, da die Lifestreaming-Konzepte derzeit ja wie die Pilze aus dem Boden wachsen. Bündelung aller Informationen und Aktivitäten einer Person ist ja auch die einzige Möglichkeit, über sich und andere halbwegs am Laufenden zu bleiben. Das ist ja seinerzeit auch schon mit mehr als einem Blog schon problematisch gewesen. Ein wenig kritisch ist es, über twitter als Micro-Blogging-Strategie zu sprechen, wenn man selbst eher weniger davon überzeugt ist. :) Nicht dass ich nicht selbst mit twitter immer wieder hadere, trotzdem sehe ich auch klare Vorteile und Chancen. twitter nur auf Marketing festzulegen, ist nicht neu. Das wurde auch beim Bloggen nur zu gerne gemacht.

Die abschließende Gegenüberstellung von Bloggen und Micro-Bloggen wie twitter war gewagt, geht aber nicht immer auf. Trackbacks (Bloggen) und tweets (twitter) sind nicht wirklich gleich zu setzen. Trackbacks haben sich grade gegenüber Kommentaren nicht durchgesetzt, weil sie etwa gegenüber automatisierten Formen wie Pingbacks ein Nachsehen hatten oder schlicht zu umständlich zu realisieren waren (ganz abgesehen vom Spam-Problem). Trackbacks sollen Zitationsstrukturen zwischen Blogs abbilden, während tweets etwa von twitter nicht Bezug nehmen, sondern unabhängige Einträge sind. Es ist zwar notwendig, Bloggen und twittern in Analogie zu setzen und die Unterschiede und Entwicklungen aufzuzeigen, aber man sollte vorsichtig mit Vergleichen sein. Denn: Bloggen ist nicht twittern. :) Und: ich entschuldige mich beim Vortragenden, den ich in der Pause nicht als solchen erkannt hatte und dort etwas harsch über diese Vergleichsstrategie drüber gegangen bin.

Tomas Caspers: Barrierefreiheit im Jahre 2008 – Mehr offene Fragen als Antworten?

Diesmal war ich mit seinem Vortrag zufrieden. :) Provokativ, informativ und performativ. Aber der Vortrag ließ auch vieles im Raum stehen, was gesondert besprochen werden sollte. Daher – sorry Tomas – gibt es einen eigenen Beitrag mit Kritik und Kommentar zu Deinem Vortrag demnächst hier.

Und was brachte der zweite Tag?

5 Antworten auf „Webkongress Erlangen: persönliches Fazit – erster Tag“

  1. Du weisst ja noch gar nicht, wie es werden wird. ;) Aprospos: Hast Du Deine Folien schon greifbar. Faellt mir dann leichter drauf einzugehen. Danke.

  2. Wow, wenn ich deinen Kommentar von meinem Vortrag lese, vergesse ich für einen kurzen Moment die ganzen Negativpunkte, die ich selbst an meiner Session anmerken würde. Danke für das Lob und ich freue mich riesig, dass ich jemanden inspirieren konnte, XUL mal auszuprobieren.

    Ciao
    Phil

  3. Negativpunkte kann man bei allen Vorträgen anmerken, klar. :) Vielleicht gings mir manchmal zu sehr ins Detail, da bin ich dann eher ausgestiegen. Aber wichtig fand ich, dass ich das interessant finde und mir das genauer ansehe. Wenn das ein Vortrag erreicht, dann ist der für mich sehr gut gewesen.

Kommentare sind geschlossen.