Tab Parade: Nutzer helfen sich selbst

Robert Lender rief den Internationen Tag der Tastatur aus und war damit Initiator für die diesjährige Blogparade, die Tab Parade, die von Robert Lender und MAIN_web veranstaltet wird.

15.10. bis 25.11.2008Ich rufe dieses Jahr zum Jahr der Social Accessibility aus, weil es durchaus einen Trend gibt, dass die Nutzer sich ihr Web selbst reparieren, ihre Barrieren selbst in die Hand nehmen. Das kann man am Social Accessibility Projekt von IBM und an der Firefox Erweiterung Webvisum gut erkennen, die beide community-basiert ausgefeilte Techniken und Oberflächen anbieten, um Barrieren auf Webseiten quasi von außen zu korrigieren. Sie nutzen dafür gängige Web 2.0-Techniken, mit denen Nutzer kommentieren und Reparaturen vornehmen können.

Wie man das auch beurteilen mag – schließlich kann und soll dieser Trend nicht dazu führen, dass Webseiten nicht mehr barrierefrei gemacht werden -, interessant ist es allemal und auch nicht unbedingt neu. Schließlich hat jeder Nutzer die Möglichkeit, im Browser seine ganz eigenen Einstellungen vorzunehmen. Das nennt sich dann Nutzereinstellungen. Man kann das auch community-basiert als Skriptbibliothek nutzen, wie das bei userscripts.org möglich ist. Nutzer schreiben Skripte, um Zusatzfunktionen oder schlicht um einen bessere Tastaturnavigation zu erhalten. Funktionieren tut das mit der Firefox-Erweiterung Greasemonkey. Wenn sie installiert ist, sucht man sich ein Skript aus und installiert das im Firefox – manche Skripte sind auch für andere Browser möglich. Ich habe mir für die Tab Parade jene Skripte angesehen und getestet, die für Web 2.0 Anwendungen wie twitter oder flickr die Tasturnavigation verbessern.

Schnelleres Blättern

Etliche Skripte bieten die Möglichkeit, mit Kurzbefehlen wie ALT+Seite weiter oder Seite zurück schnell seitenweise zu blättern wie etwas das Skript Keyboard Shortcuts Enhancements. Für twitter oder flickr ist das eine feine Sache, weil man nicht erst ganz nach unten tabben muss, sondern schlicht mit einer Tastaturkombination blättert. Das Skript Googlecuts macht genau, was der Name verspricht, es verkürzt das Blättern. Man kann damit in der Google Suche, auch in der Bildsuche, zwischen den Ergebnisseiten mit Hilfe der Tastaturpfeile vor und zurück springen. Zwischen einzelnen Bildern kann man bei flickr mit dem Skript Flickr Next/Previous Keyboard Navigation mit Hilfe der Pfeiltasten springen. Sehr elegant. :)

Bessere Formulare

Für Dienste wie delicious bietet das Skript Keyboard Shortcuts Enhancements die Möglichkeit, per ESC sofort in das Suchfeld springen. Ohne Skript muss man per Tastatur erst zwei Navigationsblöcke überwinden, um ins Suchfeld zu gelangen. Das Skript Twitter Enhancement ermöglicht, dass man nach Eingabe des Textes die Taste ENTER drücken und damit schneller und unter Umgehung des eigentlichen Formularbuttons seinen tweet abschicken kann.

Schneller springen

Das Skript google_search_focus macht etwas ganz simples: Es springt beim Laden sofort auf den Anker res, der vor dem ersten Suchergebnis anspringbar ist. Gänzlich komfortabel und super schnell unterwegs ist man mit dem Skript Advanced Google Keys für die Google Suchergebnisseite. Das Skript nummeriert einen die Suchergebnisse durch, diese lassen sich dann einzeln per Nummer und per Taste t in einem neuen Tab anspringen. Mit den Pfeiltasten auf der Tastatur kann man zwischen den Ergebnissen hin und her navigieren. Immenses Skript.

Schnelles Fazit

Grundsätzlich ist das eine gute Sache, einige der Skripte werde auch ich nutzen. Etliche der Skripte funktionieren nicht, heben einander dann eher auf oder deaktivieren bereits funktionierende Features von Diensten wie etwa bei twitter, dass beim Laden der Seite der Fokus auf dem Eingabefeld liegt. Die Greasemonkey-Erweiterung hat eine eigene Oberfläche, wo man gut und schnell Skripte ein- und ausschalten kann.

Gut finde ich daran den community-basierten Ansatz, der sich Barrieren im Netz vornimmt, es finden sich auch etliche andere Skripte, die sich weiteren Problemen annehmen. Ein Problem – und das ist ja ein durchaus grundsätzliches, wenn individuelle Nutzer Inhalte generieren – ist, dass man unterschiedlichste Skripte kombinieren muss, um rundum in einem Dienst eine komfortablere Tastaturnavigation zu erhalten. Ein Skript wie Keyboard Shortcuts Enhancements zeigt jedoch auch die Tendenz, ein Skript für mehrere Dienste und umfangreichere Funktionen zur Verfügung zu stellen.

Trotz allem ist das nur ein Puzzle-Spiel – der berüchtigte Schmalsttropfen auf einem übergroßen Web 2.0-Null-Stein: Wichtig und vorrangig ist und bleibt, Dienste wie twitter oder delicious für die Tastaturnutzung ganz zugänglich zu machen und nicht nur mit Einschränkungen wie Kerstin Probiesch in ihrem Mini-Tastaturstreifzug durch’s Web 2.0… angerissen hat.

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