Da ich mich aktuell in das Open-Source-FrameworkFlutter von Google einarbeite, arbeite ich von Anfang an mit dem Fokus auf Barrierefreiheit. Wir schauen uns daher an, wie man Überschriften einbinden kann, damit in der mobilen App auf iOS und Android Überschriften vom Screenreader ausgegeben werden.
Gerade entdeckt die Chrome-Erweiterung „Barrierefreiheits-Persona simulieren“. Entwickelt vom DigitalService des Bundes simuliert diese Erweiterung Nutzungserfahrungen von Personas mit etwa starker Sehschwäche oder mit Legasthenie. Ja, das gibt es auch schon in anderen Optionen und Erweiterungen. Aber die Anwendung ist spannend und die Erweiterung ist gut und standardkonform (! – ich habe das mal debugged …) erstellt.
Und da ist noch ein Barrierefreiheits-Score: der Wave Aim Score oder Wave Accessibility IMpact (AIM). WebAIM hat sein Barrierefreiheits-Tool WAVE im Oktober aktualisiert und zeigt nun auf der Registerkarte „Details“ den AIM-Score der getesteten Seite an. Beispielhaft für Seiten wie das W3C oder WebAIM selbst ist das dann ein Score von 10 von 10, aber für die Startseite des Spiegel-Magazins dann nur noch 4 von 10.
Die WCAG 2.2 Technik G65 „Providing a breadcrumb trail“ für das Erfolgskriterium 2.4.8 „Position“ (Stufe AAA) wird ein Update erfahren. Ergänzt wird die Information, dass man eine Breadcrumb-Navigation am besten möglichst am Anfang der Seite integrieren sollte.
Interessante Debatte im WCAG-Repository „Make ARIA11, ARIA13 and H101 advisory techniques“, ob der Einsatz von ARIA landmark roles oder HTML Regionen nur noch eine Empfehlung sein soll (advisory technique) und nicht mehr eine hinreichende Technik (sufficient technique), um das Erfolgskriterium WCAG 1.3.1 „Info und Beziehungen“ zu erfüllen.
Dank der immer wieder interessanten Leseliste von Bruce Lawson (Leseliste 337) bin ich auf die neuen, noch experimentellen HTML-Attribute commandfor und command gestossen. Die beiden Attribute werden auf lange Sicht etwa beim Aufklappen von Inhalten durch ein Bedienelement (button) aria-controls und aria-expanded ablösen.
Um die Überschriften-Hierarchie auf einer Webseite zu testen, kann man die Browser-Erweiterung HeadingsMap (beispielhaft Erweiterung für den Browser Chrome) als zusätzliches Werkzeug nutzen. In den Einstellungen finden sich interessante Optionen.
Quelle: Screenshot Firefox Version 121 – Option „Links immer unterstreichen“
Ab der Version 121 (aktuelle Version ist 120) können Nutzer:innen in Firefox in den allgemeinen Einstellungen im Bereich „Surfen“ die Option aktivieren, dass Links immer unterstrichen werden – unabhängig vom CSS der jeweiligen Seite.
João Santos hat in AppleVis angekündigt, dass er einen Screenreader auf MacOS entwickelt mit dem Namen „Vosh“. Das Ziel ist, auf dem Mac einen Screenreader wie NVDA auf Windows zu haben.
Gerade weil ich täglich mit vielen externen Tools (Bookmarklets, Browsererweiterungen) arbeite, fand ich spannend, die Möglichkeiten der Browser näher in Augenschein zu nehmen. Und es ist doch überraschend, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten die Browser bieten, um etwa die Bedienung mit Tastatur zu testen oder sich die Kontraste von Texten genauer anzusehen. Klar – mit der Dev-Tools sollte man schon ein wenig gewöhnt sein zu arbeiten. Die meisten Optionen und Tools zum Testen von Barrierefreiheit in den Browsern finden sich in den Dev-Tools.
Auch nach dem Vortrag finde ich es spannend, auszuloten, welche Prüfschritte lassen sich nur mit Hilfe des Browsers testen oder wo brauche ich dann doch ein ausführliches Tools (Bookmarklet, Browsererweiterung). Es wäre auch mal interessant, eine Geschichte der Browser Dev-Tools im Hinblick auf die Barrierefreiheit zu formulieren.