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WordCamp 2010: Das war mein erstes Barcamp :)

Last modified: März 12, 2016

Man kann sich das Wetter nicht aussuchen und derzeit schon eher gar nicht, dann auch noch ruckzuck nach Berlin zum WordCamp 2010 – das war schon eine physische Herausforderung. :) Und es war mein erstes Barcamp und mir ist grade nicht so ganz klar, was es von anderen Events unterscheidet. Aber vielleicht ist da so ein WordCamp nicht wirklich das beste Beispiel dafür.

Das Betahaus: interessantes Gebäude

Auf die eher provisorischen Gegebenheiten des Betahauses wurde ja schon hingewiesen, als Bruchbude würde ich es denn nicht bezeichnen, freilich war es etwas gewöhnungsbedürftig. Ich bin ja in einer alternativen (Arbeits-)kultur aufgewachsen quasi und bin da schon ziemlich offen, was das Ambiente betrifft. In Kombination mit der Hitze waren die Räume im 4. Stock eher nicht zu benutzen, alleine sitzen war schweiss-fördernd. :) Durchaus Wohnzimmercharme hat der Raum im Erdgeschoss, intimer und individuell mit Sitzgelegenheiten ausgestattet. Leider waren einige der Stühle schon so klapprig, dass ich dachte, sie würden die erste Session nicht überstehen – haben sie aber. Jemand verglich das Betahaus mit dem Unperfekthaus in Essen und meinte, das seien ja dann doch sehr große Unterschiede. Ich denke aber auch, dass das Betahaus vielleicht auch andere Funktionen erfüllt als das Unperfekthaus. Auch glaube ich mittlerweile – ich habe ja lange in Berlin gelebt und bin nun nur noch ab und an Zaungast -, dass man an einer Location wie dem Betahaus sehen kann, wie es Berlin an Geld fehlt.

Also, ja – die Location hätte besser gewählt werden können, aber in Mitte oder Prenzlauer Berg ist das wohl dann eher ne Geldfrage für so ein Barcamp. Denn, ich denke, was wirklich schick und hip ist in Berlin, kostet halt auch mittlerweile. Das wäre so meine Vermutung. Aber ich fand es in Ordnung. Mikros wären schon in diesen halligen Räumen sinnvoll gewesen, in den letzten Reihen hat man kaum verstanden bzw. lesen können, was grade referiert wurde. Positiv möchte ich hervorheben, dass ich es super fand, soviel Gratisgetränke zu erhalten, das war auch dringend notwendig. Und ich fand im übrigen toll, im Cafe auch mittags was Schmales kaufen zu können. Die Kritik hab ich irgendwie nicht verstanden, dass das Barcamp auch noch Brötchen stellen soll. Ist das der Barcamp-Gedanke für 200 Leute Brötchen zu schmieren? Aber vielleicht bin ich da auch nicht so dran an diesem Gedanken. Ich halte es für völlig in Ordnung mir mittags für 4-5 Euro ein gut belegtes und überbackenes Fladenbrot zu kaufen? Verstehe ich nicht wirklich, aber vielleicht bin ich schlicht zu alt, um das nachzuvollziehen. :)

Schwierig fand ich auch den Lärmpegel, der schon einige Stunden vor dem Halbfinalspiel im Hinterhof des Cafes durch die geschlossenen Türen richtig gut zu hören war. ;) Gut, ich mach mir wenig aus Fußball, aber auch so würde ich sagen, das WordCamp war nach dem gemeinsamen Gucken des Spiels schon eher am Ende. Es hat schon einen Bruch bedeutet, zwei Stunden zu pausieren. Gut, die Veranstalter haben da halt das beste draus machen müssen, die absolute Mehrheit wollte ja das Spiel gucken. :)

Die Sessions waren durchwachsen

Das trifft ja auch auf jede andere Veranstaltung zu. Die Kritik, dass es ja nur fast Session gegeben hätte, die auf Basics abzielten und man nichts gelernt hätte, stimmt nur bedingt. Jede Session, soweit sie im Vorfeld angekündigt war, war ja mit einem Schwierigkeitsgrad versehen. Sessions wie von Thomas Boley zu tempELA – eine Template Engine für WordPress Widgets und Plugins – oder von Michael Preuß zu Xtreme One – einem auf YAML und WordPress basierendes Theme-Framework – waren durchaus sehr spannend und haben genau dort angesetzt, wo in WordPress halt seit Jahren zu wenig passiert, was Standardisierung betrifft. So ein sauberes HTML-Template wie Boley jetzt nur für Widgets und Plugins entwickelt hat, würde man sich sofort für die Themeentwicklung wünschen. Es ist einfach verwunderlich, dass sich im Themebereich da nie wirklich etwas entwickelt hat, was die Trennung von PHP und HTML wirklich ermöglicht. Auch wenn mir die Portierung der Kommentierung von Typo3 dafür nicht ganz gefällt, aber es ist mal ein Schritt in die richtige Richtung. :)

Auch Michael Preuss geht in die richtige Richtung, wenn er ein Standard-Framework wie YAML reinholt und die Standardisierung noch weiter treibt und für das Theme eine Art Metaframework für WordPress zur Verfügung stellt, mit dem man dann x-fache Layout- und Konfigurationsoptionen hat. Freilich ist das dann eher für den Webdesigner gedacht, der die Konfiguration für den Kunden erstellt und nutzt. Schon eine spannende Sache, vor allem in seiner überzeugenden Flexibilität.

Meine Session: Twenty Ten – ist das neue WordPress 3.0 Theme barrierefrei?

Mit meiner Session zur Barrierefreiheit des neuen WordPress Themes Twenty Ten war ich dann ganz zufrieden, leider musste ich erst mal Boxen organisieren. Das Screenreaderbeispiel – was ja durchaus als Ovation an die WordPress-Entwicklung gedacht war – hat bei den meisten wieder Verstörung ausgelöst. Ist mir klar, warum das immer noch so ist, aber ich gehe da schon eher drüber weg. Das müssen Zuhörer meiner Vorträge schlicht aushalten. Und mit JAWS 11 und der fast schon komfortablen Ausgabe von und Navigation mit WAIARIA Orientierungspunkten – wie es so schön eindeutscht heißt – ist das ja schon richtig handy und sehr wenig verstörend. Und ich finde es wichtig, dass die Leute da genau hinhören, damit es seinen Störungs-Charakter verliert.

Was mir positiv aufgefallen ist: die Leute fragen sofort nach und es wurde mehr diskutiert, als ich gedacht habe. Das kenne ich eher nur aus seminar-ähnlichen Zusammenhängen. Spannend. Und, da ich ja derzeit weiter versuche, mit den WordPress internen Mechanismen wie Child-Theme und functions.php ein barrierefreies Theme aus Twenty Ten abzuleiten – dass man quasi nach wie vor den Look und die Möglichkeiten des Default-Themes hat, aber eben auch ein barrierefreies Theme – fand ich es spannend, dass ich dazu auch gleich ein paar Tipps erhalten habe. Das ist sicherlich auch eine Qualität eines Barcamps, diese offene Atmosphäre des Teilens von Wissen – liegt mir ja ganz besonders, etwas das ich ja immer wieder hier angesprochen habe.

Die Präsentation gibt es wie immer auf Slideshare. Im Schnellschuss-Verfahren – ich bin erst knapp am Abend davor damit fertig geworden – habe ich das PDF-Dokument auch getagged. Die Präsentation daher auch als PDF-Datei (844 Kb). Das Theme Twenty Ten bleibt hier auf sprungmarker weiterhin aktiv, ist aber schon jetzt ein Ableitung davon, ein Child-Theme und ich arbeite mich dann an diesem ersten Schritt weiter in Richtung eines barrierefreien Themes, wo auch immer ich schließlich technisch damit landen werde.

Twenty Ten – ist das neue WordPress 3.0 Theme barrierefrei? (WordCamp 2010)

Meine Präsentationen auf slideshare.

Summa summarum – wenn es nicht so derart heiß gewesen wäre, hätte ich mir sicherlich noch mehr Sessions angehört und hätte mehr Austausch und Tipps mitnehmen können. Dafür können die Organisatoren aber wenig – für so eine Hitzewelle. :) Daher – mir hat das durchaus Spaß gemacht und ich bedanke mich für meinen ersten Barcamp-Eindruck bei allen, ich werde das wieder versuchen – so ein Barcamp.

16 Gedanken zu „WordCamp 2010: Das war mein erstes Barcamp :)

  1. Danke für deinen ausführlichen und kritischen Beitrag!

    PS: Wobei die Frage wäre, ob eine Anlage mit Mikro den Hall nicht noch verstärkt hätte. Aber das sind eben nur Mutmaßungen – so wie unsere, dass der Hall deutlich geringer sein sollte, wenn Besucher in den Räumen sind. Das nächste Mal wissen wir es besser.

  2. Ja, das stimmt – weil es war oben im 4. Stock ja doch durch den leeren Raum recht hallig, das hätte dann doch interessante Effekte ergeben können. Aber so versiert bin ich in der Mikrotechnik nicht, um das abschätzen zu können. :)

    Und ja, mein Fazit ist durchaus kritisch, aber eben nur bedingt. Ich kann auch mit dem Betahaus gut leben, mich stört das weniger. Eine Teilnehmerin meinte ja, Freunde hätten ihr gesagt, das WordCamp würde ja in einer wilden Gegend sein. Nun gut, da muss man dann danach fragen, woher die Leute sonst so kommen. Denn Kern-Kreuzberg ist einfach nur eine nette Ecke. :) Vielleicht kann man dann so Statements besser einordnen, wenn es die Leute nach besserem, stabileren Orten verlangt.

  3. @jottlieb: das nächste mal wissen wir das auch nicht besser, wenn uns die Leute der Location im Unklaren lassen, wir hatten ein fach pech und hier zeigt sich wieder, dass man sicherer fährt, wenn man Leute aus dem altäglichen „Business“ als PArtner hat; von dem Thema Stühle und Strom will ich garnicht anfangen :(

    @Silvia: Danke für diese Session! Ich hoffe, dass dieses Thema endlich mehr in den Fokus rückt, es mehr Infos im Web gibt, mehr Artikel dazu, so dass man einiges aktiver mitbekommt. Hier muss noch immer tief drin stecken, oder das Thema sehr stark verfolgen.

    • @Frank

      Barrierefreiheit ist durchaus schon lange Thema im Web oder meinst Du den speziellen Fokus auf WordPress. Da gibt es allerdings Nachholbedarf. Ganz klar muss man immer ein Thema mitverfolgen, um auf dem Laufenden zu sein. Grade in der Barrierefreiheit, die ja auch immer mit den aktuellen Entwicklungen parallel geführt werden soll, ist das wichtig.

      Mein Blog ist jedoch sicherlich ein spezialisierter und nicht wirklich was für Einsteiger, das stimmt. Dafür gibt es aber genug andere Startpunkte im Web.

  4. Pingback: WordCamp 2010 – Erfahrungsbericht « Netztaucher

  5. Mal ab vom Barcamp: Dein abgeleitetes Theme ist auf Mobilgeräten (hier konkret S60 Standardbrowser auf Nokia E71) wesentlich besser zu lesen als das alte. Auf meinemrelativ kleinen Display muß ich nicht mehr jedes Mal die Futzel-Schrift hochskalieren, sondern kann direkt lesen. Entweder ist die Mobil-Version ausgefuchster oder es gibt womöglich gar keine :-)

  6. Also das Betahaus fand ich jetzt nicht schlecht, das ist halt Berlin :-)
    Mir hat das WordCamp gut gefallen, es war auch mein erstes, von daher gibt es noch keine Große Vergleiche zu ziehen. Getränke und kleine knabereien umsonst zu bekommen war wohl das beste! Bei der Hitze wäre es sonst noch deutlich anstrengender gewesen. Zum Schwierigkeitsgrad der Session war für jeden etwas dabei und ich werde wohl selber nächstes Jahr wenn möglich eine eigene Session zum Thema Plugin-Entwicklung halten. Ich halte wenig von Templateengines, sie sind immer langsamer als php und ich seh kein Unterschied zwischen ###CONTENT### und the_content(); da nehm ich doch lieber das php.

    Gruß Ralf

    • @Ralf Hortt

      Genau, so sehe ich das auch – Berlin ist halt mittlerweile schon etwas ab vom „Standard“ – also wenn ich das im Vergleich etwa zu Köln sehe.

      Tja, das Thema Templateengines: Ich sehe da schon Vorteile, wenn es um eine Standardisierung geht. Ich arbeite täglich mit Smarty oder Dwoo und habe da auch immer durchaus Möglichkeiten eine Schleife oder Abfragen zu machen. Aber grundsätzlich finde ich es wichtiger, diese „Eingriffe“ möglichst schlank zu halten. Und es ist schon ein Unterschied, ob ich eine PHP-Funktion oder PHP-ähliche Funktion verwende oder eben so was schlankes wie Kommentare – auch wenn mir die Analogie zu Typo3 nicht wirklich gefällt.

      Ich denke, es ist halt immer die Frage, wer arbeitet mit solchen Templates. Programmierlastige haben mit den PHP-Funktionen kein Problem, fühlen sich eher zuhause. Andere, weniger Programmierlastige kommen mit einfachen Templatesprachen besser zu rande. Die Frage bleibt, für wen sind die Templates gedacht. :)

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  8. Ich möchte hier noch einmal die Gelegenheit nutzen, mich bei Dir für Deine hervorragende Session zu bedanken.
    Ich habe zum ersten Mal einen Screenreader gehört und war in der Tat geschockt. Darum sollte Jeder, der Webseiten baut, alles dafür tun, es den Menschen, die diese Geräte benutzen müssen, ein wenig leichter zu machen.

    • @Micha

      Ja, das ist immer noch für viele eine interessante Erfahrung, so ein Screenreader. Aber das ist halt nur eine von vielen barrierefreien Optimierungen. Ich möchte weg davon, barrierefreie Optimierung mit Optimierung für Screenreader-Nutzer gleichzusetzen.

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